Erziehung und Bildungsziele in der Waldorfpädagogik für Kinder bis zur Schulfähigkeit.
Ein jeder Kindergarten sollte eine Stätte sein, in der die Kindheitskräfte der Menschheit mit Liebe empfangen und behütet werden.
Die ersten Schritte in die Lebensaufgabe des Menschen sind folgenschwer für den ganzen Lebenslauf.
Jedes Kind bringt ein Schicksal mit, aber auch das Vertrauen, sich am Vorbild des Erwachsenen nachahmend in dieser Welt zu orientieren.
Möge der Waldorfkindergarten eine solche Stätte sein, in der Eltern und Erzieher in Harmonie zusammensitzen im Dienste dieser großen Aufgabe.
Helmut von Kügelgen
Kinder kommen als Individualitäten zur Welt, die sich mit ihren Begabungen,
Neigungen, Interessen und auch Handicaps entwickeln und ihren eigenen
Weg gehen wollen. Um diesen Prozess so gut wie möglich zu gestalten,
brauchen sie kompetente erwachsene Vorbilder, liebevolle und sichere
Beziehungsverhältnisse und ihre eigene Entwicklungszeit.

Kinder
gehören nicht in das Zeitraster der Erwachsenenwelt und auch nicht in
deren politische oder wirtschaftliche Zweckvorstellungen. Kinder sind
lernfähige, lernfreudige und lernbereite Wesen.
Ihre
Entwicklungsfenster sind gerade in den ersten Kindheits- und
Schuljahren besonders weit geöffnet. Daraus entsteht die Verantwortung,
ihre Lebenswelt so zu gestalten, dass sie sich gesund entwickeln
(
Salutogenese) und die Welt in ihren Zusammenhängen erkennen lernen
(Verstehbarkeit), Vertrauen in die eigenen wachsenden Kräfte und
Fähigkeiten bekommen (Handhabbarkeit), die Sinnhaftigkeit des
eigenen Handelns, Fühlens und Denkens entdecken.
Auch die Frage der
Schulfähigkeit darf sich nicht an parteipolitischen oder
wirtschaftlichen Interessen ausrichten, sondern orientiert sich an der
körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Entwicklung des
Kindes. Die Zeit vor der Schule dient dazu, frei von schulischem Lernen
so genannte Basiskompetenzen zu entwickeln, auf denen später die
schulische Erziehung und Bildung aufbauen kann.
Gerade diese
Basiskompetenzen versetzen die späteren Jugendlichen und Erwachsenen in
die Lage, die Leistungsanforderungen des Lebens zu meistern, schaffen
erst die Fundamente für anschließende Differenzierungen.